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Initiative Selbsthilfe Multiple Sklerose Kranker e. V.

Was kann die Pfingstrose?

Alexandra Manger, Blickpunkt-Ausgabe 1/2025
Die Pfingstrose wird aufgrund ihrer beruhigenden und krampflösenden Wirkung bereits seit Jahrhunderten in der Medizin genutzt. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird etwa die Wurzel auch bei der Behandlung von Trigeminusneuralgie verwendet. Blüten und Wurzel sind hierzulande zumeist Basis von homöopathischen Präparaten, etwa zur unterstützenden Behandlung von Migräne, Hautleiden, Herzbeschwerden und Rheuma.

Deutscher Name: Gemeine/Echte Pfingstrose
Wissenschaftlicher Name:Paeonia officinalis
Familie: Pfingstrosengewächse (Paeoniaceae)
Volksnamen: Päonien, Benediktinerrose, Gichtrose)
Herkunft/Vorkommen: Europa, Asien, Nordamerika
Verwendete Pflanzenteile: Blüten (etwa bei Haut- und Schleimhauterkrankungen), Wurzeln (bei Krämpfen, Rheuma oder auch Neuralgien)
Inhaltsstoffe: Monoterpene (etwa Oxypaeoniflorin und Paeoniflorin), Flavonoide (etwa Derivate des Kämpferol), ätherische Öle, Anthocyanglykoside, Gerbstoffe, Gallotannin, β-Sitosterol, Daucosterol, Phytosterole, Saccharose und Harzsäure

Geschichte und Verwendung

In einem Buch für einen der letzten Artikel bin ich auf der Suche nach Möglichkeiten bei Trigeminusbeschwerden doch etwas überrascht auf die Echte Pfingstrose (Paeonia officinalis) gestoßen. Sie gehört zu den ältesten Gartenpflanzen – allerdings weist schon der Artname „officinalis“ auch auf eine Heilkraft hin. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird eine andere Art – die Chinesische Pfingstrose (Paeonia lactiflora) – und hier insbesondere die Wurzel – aufgrund ihrer entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften manchmal zur Unterstützung bei der Behandlung von Trigeminusneuralgie verwendet. Die Wurzel ist in der TCM auch bekannt als „Bai Shao“ und wird für ihre beruhigende Wirkung auf das Nervensystem geschätzt. Auch Rinde, Samen und Blüte finden hier Verwendung. Für den aus Päonien (Sorte Fen Dan Bai, eine Hybride von Paeonia ostii) gewonnenen Wirkstoff Mudan Pi beschreibt die TCM u. a. entzündungshemmende, fiebersenkende, blutstillende, beruhigende und schmerzstillende Wirkungen. Die Pflanze enthält auch schwach wirkende Giftstoffe.

In der Antike nahm man an, dass die Blütenblätter und Wurzeln bestimmte gesundheitsfördernde Stoffe enthalten. Ihr Name „paeonia“ soll von einem Beinamen des Heilgottes Apollon abgeleitet sein. Hierbei bezog man sich sowohl auf die Korallenpfingstrose (Paeonia mascula) als auch auf die Gemeine Pfingstrose (Paeonia officinalis). Und nachdem die Benediktiner die Pflanze in ihren Klostergärten erstmals als Heilpflanze gezogen hatten, erhielt sie den Namen Benediktinerrose. Auch die Hl. Hildegard empfahl die Benediktinerrose in ihrem zwischen 1150 und 1160 entstandenen Werk Physika (auch bekannt als Liber simplicis medicinae), in dem sie die Heilkräfte der Natur beschreibt.
In Klöstern wurde die Kirchenrose schon im frühen Mittelalter als Heilpflanze kultiviert. So finden sie beispielsweise Erwähnung im Lorscher Arzneibuch aus dem Jahr 795. Haut- und Schleimhauterkrankungen, Gicht, Gelenkbeschwerden, Muskelkrämpfe und Menstruationsbeschwerden wurden damit behandelt. Noch im 19. Jh. galten Pflanzenextrakte der Paeonia als wirksames Mittel gegen Epilepsie, bis die Droge Radix Paeoniae um das Jahr 1860 aus den Arzneibüchern gestrichen wurde.
Heute werden ihre Extrakte vor allem homöopathisch angewendet – Hämorrhoiden, Migräne, Hautleiden, Herzbeschwerden und Rheuma können entsprechend auf so aufbereitete Pfingstrosen-Extrakte ansprechen. Die Blütenblätter der Echten Pfingstrose verwendet man auch gerne in Teemischungen – das ist insbesondere auch in sogenannten Entspannungstees der Fall.

Für die positive Anwendung auf der Haut (etwa die Minderung von Hautrötungen oder Falten sowie die Aufhellung von Pigmentflecken) durch entsprechende Kosmetika existieren bereits erste Studien.

Im Jahr 1988 bewertete die Kommission E die Echte Pfingstrosenwurzel negativ. Auch für die Chinesische Pfingstrose war 2014 eine Monografie geplant, die aufgrund fehlender pharmakologischer Eckdaten und noch unerforschten möglichen Nebenwirkungen vom Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) der European Medicines Agency (EMA) abgelehnt wurde. Da klinische Studien bislang fehlten, gelten die Anwendungen der Pfingstrose bei uns als unsicher.

Demgegenüber steht eine lange Anwendungserfahrung in der TCM. Etwa 40 % der Verschreibungen verwenden sie dort als Teilkomponente. Die breite Anwendung mit dem Schwerpunkt auf immunologischen Störungen (Entzündungen, Rheuma, Autoimmunerkrankungen, Allergien, Krämpfen, Nervenleiden und Hormonstörungen) ist jedenfalls bemerkenswert. Aufgrund einer ausgeprägten Forschungstätigkeit zum Thema in China ist es daher sehr wahrscheinlich, dass die Zulassung als Heilpflanze in Kürze erneut geprüft werden kann.

Dafür sprechen u. a. positive Ergebnisse der Pfingstrosenwurzel (lactiflora) im Bereich Autoimmunerkrankungen (etwa Lupus erythematosus oder Sjögren Syndrom), Allergien, Krämpfen (Magen-Darm oder Uterus), Migräne und Nervenschmerzen sowie des Stoffwechsels.

Für eine Verwendung im Bereich Haus- und Nahrungsergänzungsmittel sollte auf eine seriöse Herkunft und geprüfte Qualität (Apotheke) geachtet werden.

Rezepte

Grundrezept: Tee aus Pfingstrosenwurzel

1–2 TL Tee, mit 180–200 ml kochendem Wasser aufgießen, abgedeckt etwa 5–10 min ziehen lassen. Eventuell etwas Honig für den Geschmack hinzugeben.
Der Tee kann dabei helfen, das Nervensystem zu beruhigen und entzündliche Prozesse zu lindern. Insofern kann er eine sanfte Unterstützung bei einer Trigeminusneuralgie sein. Allerdings gibt es nach wie vor keine wissenschaftlichen Belege dafür. Damit keine Gewöhnung eintritt, sollte nach drei Wochen Kur eine Woche Pause gemacht werden.

Pfingstrosen-Elixier nach Hildegard von Bingen

Etwa 50 g Wurzel der Echten Pfingstrose, zusammen mit etwa 30 g Samen, in 1 l Wein 5 min kochen. Das Rezept soll gegen Bronchitis und Stirnhöhlenentzündung helfen. Das fertige Elixier kühl in einer dunklen Glasflasche aufbewahren. Sie empfahl die Einnahme des Sudes dreimal täglich, jeweils ½ Likörglas.

Sud aus Chinesischer Pfingstrosenwurzel

In China wird die Wurzel für die genannten Beschwerden als Abkochung zubereitet. Eine Tagesdosis entspricht 6–15 g getrockneter Wurzel. Die entsprechende Menge mit etwa ½ l kaltem Wasser übergießen und 20 min mit offenem Deckel kochen. Danach abseihen und abkühlen lassen. Den Sud über den Tag verteilt schluckweise trinken.

Aufguss für Gesichtsreinigung, Haarspülung

2 EL getrocknete Pfingstrosenblüten mit 200–250 ml Wasser aufkochen, ziehen lassen, durchsieben und als Haarspülung verwenden. Den Aufguss kann man auch in eine Eiswürfelform geben, einfrieren und danach portionsweise zur Gesichtsreinigung verwenden.

Alle Pfingstrosenprodukte sollten vor Licht und Feuchtigkeit geschützt aufbewahrt werden.

Halskette zum Schutz vor nächtlichem Alb(traum)

Die Samen der Pfingstrose zu einer Kette auffädeln. Soll vor Albträumen schützen. Laut Überlieferungen sollen diese „Zahnperlen“ auch zahnenden Kindern behilflich sein.

Wie immer, herzliche Grüße und viel Spaß beim Ausprobieren
Alexandra Manger